Donnerstag, 27. Juni 2013

Reiten ohne Gebiss – Bitte Unterschiede beachten!

Immer wieder begegnen mir als Tierphysiotherapeutin Pferde, die durch das Reiten ohne Gebiss gesundheitliche Probleme bekommen haben.

Der Grund liegt vor allem darin, dass viele Reiter der Meinung sind, dass alles was am Pferdekopf befestigt werden kann und nicht im Maul des Pferdes liegt grundsätzlich gut ist.
Das ist nicht richtig.

Wer mit einer gebisslosen Zäumung reitet, die dem Pferd Schmerzen auf dem Nasenrücken oder durch Hebelwirkung im Genick zufügt, animiert das Pferd während des Reitens, den Kopf zu senken und damit mehr Gewicht auf der Vorhand zu tragen, als gesund ist. 
Oft neigen solche Pferde dazu, Muskeln im Genick, Hals und Schulter konstant anzuspannen, da die Erwartung von Schmerzen im Gesicht zu einer instinktiven Abwehrhaltung animiert. Dieses Verhalten führt zu Muskelverspannungen wodurch die Gliedmaßenbewegungen ihren elastischen Charakter verlieren und Gelenke und Sehnen geschädigt werden können.
Viele Pferde verspannen die Rückenmuskeln weil einerseits durch die Einwirkung auf Genick und/oder Nasenrücken das Senken des Halses erzwungen wird und andererseits der Reiter steif im Sattel sitzt und Rückenschmerzen verursacht, auf die das Pferd nur durch Anspannung reagieren kann.
Passivität des Pferdes, die häufig als Zufriedenheit gedeutet wird, bedeutet nicht selten, dass das Pferd Hals und Kopf möglichst wenig bewegt, um der Einwirkung auf dem Nasenrücken zu entgehen.

Gesundes gebissloses Reiten geht nur mit einer Ausrüstung, die keine Schmerzen verursacht.

Dieses sind Halsringe und Zäumungen aus weichem anschmiegsamen Leder, Biotane oder gut sitzende weiche Halfter.

Jede Einwirkung mit einem harten Gegenstand auf dem Nasenrücken (Bosal) oder die Einwirkung über Hebelwirkung wie bei einem Hackamore wirkt unter Einbeziehung tierphysiotherapeutischer Aspekte schmerzhafter als die Einwirkung über ein normales gebrochenes Trensengebiss, bei dem sich das Pferd durch festes Zubeißen gegen harte Einwirkung wehren kann.

Wenn ein Pferd gebisslos geritten werden soll, muss eine Ausbildung hierfür stattfinden, in der das Pferd lernt, die Signale einer weichen!!! gebisslosen Ausrüstung wahr zu nehmen und zu verstehen. 
Das geht beispielsweise sehr gut mit dem Clickertraining.

Benutzt man eine gebisslose Ausrüstung, auf die das Pferd sofort sehr empfindlich reagiert, macht das dem Reiter vielleicht Spaß, es hat aber nichts mit harmonischer und Pferde - schonender Reitweise zu tun.

Anstatt sich ein gutes Gewissen durch die Wahl der Ausrüstung vorzugaukeln sollte man als Reiter lieber ehrlich darüber nachdenken, wie man wirklich zu seinem Pferd steht.






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Donnerstag, 28. März 2013

Das Missverständnis „Natürliche Schiefe“


Immer wieder wird in der Ausbildung des Pferdes der Begriff „Schiefe“ verwendet.
Das ist sehr irreführend. Reiter glauben, dass sie die vermeintlich kürzere Seite ihres Pferdes massiv dehnen müssen um das Pferd gerade zu richten. Das ist nicht richtig.

Die natürliche Schiefe beim Pferd entspricht der Links- oder Rechtshändigkeit des Menschen. Es gibt meines Wissens bisher keine weiteren wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse zu diesem Thema.
Viele Wissenschaftler äußerten Vermutungen über unterschiedlich ausgebildete einzelne Muskelgruppen, doch es gibt keine tiermedizinisch begründeten Fachartikel oder Veröffentlichungen, in denen zweifelsfrei festgestellt wurde, dass die Muskeln des jungen Pferdes unterschiedlich ausgebildet sind, verschieden lang sind oder das der Körper des Pferdes eine schiefe Form aufweist. - alles Aussagen, die immer wieder gemacht werden.

Wenn wir junge Pferde ausbilden, müssen wir Ihnen beibringen, die rechte und die linke Körperseite gleichmäßig zu koordinieren genauso wie ein Reiter lernen muss, seine rechte und linke Körperseite gleichmäßig zu koordinieren.

Viele vermeintlich schiefe Pferde wurden von Ihren Reitern in ein Ungleichgewicht geritten, weil der Reiter selber seine rechte und linke Körperseite nicht gleichmäßig koordiniert sondern einseitig stärker auf das Pferd einwirkt.

Freie unbeeinflusste Pferde möchten sich im Trab so fortbewegen, wie es auch andere Vierbeiner, beispielsweise Hunde gerne tun, Sie treten mit dem Hinterbein schräg unter ihren Körper um das Körpergewicht mit besserer Hebelwirkung nach vorne stemmen zu können und bewegen sich hierdurch gerne schräg vorwärts statt schnurgerade.
(Bei langbeinigen Hunden kann man diesen "schnürenden" Gang im Trab sehr schön beobachten.)
Ein junges Pferd möchte das auch tun, wenn es einen Reiter trägt, das fühlt sich für den Reiter so an, als ob das Pferd schief wäre.

Es ist dann grundlegend falsch, einfach „gegen zu steuern“ und die vermeintlich „schlechte“ Seite ausgiebiger zu biegen und zu dehnen als die „bessere“. Das Pferd wird sich abwehrend anspannen, weil ihm die Koordination der „schlechteren“ Seite ja schwerer fällt.

Richtig ist es, das Pferd in langsamen Tempo (Schritt) rechts und links herum gleichmäßig zu trainieren und hierfür gerne Hilfsmittel wie Pylone oder Stangen zu nutzen. Im Schritt kann sich das Pferd am ehesten eine beidseitig gleichmäßige Koordination angewöhnen. 

Am einfachsten ist es für das Pferd wenn es die Koordination erst mal während der Bodenarbeit üben kann. Seitengänge sehr langsam und mit häufigem Richtungswechsel und Lektionen wie beispielsweise der Spanische Schritt  und Isometrische Übungen sind die wichtigsten Übungen.

Auch wir Menschen können durch langsame und bewusste Bewegungen am besten von der Links – bzw. Rechtshändigkeit zu einer soliden „Beidhändigkeit“ umlernen. 

Jeder Reiter sollte als erstes sich selbst kontrollieren um sicher zu sein, mit beiden Körperhälften gleich auf das Pferd einzuwirken bevor daran gedacht wird, das Pferd "korrigieren" zu müssen.

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Mittwoch, 23. Januar 2013

Meine ganz persönlichen Erfahrungen


Meine ganz persönlichen Erfahrungen zu den Themen Dominanz contra Freiwilligkeit
während der Ausbildung von Pferden



Da es auf diversen Facebook – Seiten zu meinem letzten Blogeintrag zum Thema "Rangordnung und Dominanz" viele Diskussionen gab, möchte ich hier mal meine eigenen Erfahrungen der letzten Jahre schildern.

Ich habe vor 37 Jahren zum ersten Mal auf einem Pferd gesessen und nach 2 Jahren Reiten lernen auf Schulpferden das erste junge Pferd eingeritten,es folgten bis heute sehr viele incl. aller meiner eigenen Pferde.

Als Monty Roberts das erste Mal in Deutschland war und sein Join up vorstellte, habe ich diese Methode innerhalb einer kleinen Veranstaltung in Bremen kennen gelernt. Sie wurde uns vorgestellt als eine Möglichkeit, die Arbeit mit einem jungen, wilden Pferd zu beginnen, keinesfalls um mit dem Pferd auf Dauer ständig so umzugehen. Ich war begeistert und nutzte das Join up gerne genau zu diesem Zweck: die erste Begegnung mit einem rohen misstrauischen Pferd harmonisch zu gestalten. NICHT mehr!
(Das was heute unter „Join up“ alles stattfindet hat mit dem was wir damals kennen gelernt haben, nichts zu tun sondern ist teilweise echter Psychoterror für das Pferd.)

Im Rahmen der Entwicklung des PHYSIO-RIDING beschäftigte mich über viele Jahre immer wieder ein Konflikt:
Einerseits hatten mich meine Studien gelehrt, dass die Ausbildung des Pferdes so gestaltet werden muss, das kein psychischer Druck oder gar direkte Angst vor Strafe und Schmerz entsteht, denn diese Gefühle beeinflussen das Hormonsystem, was zu den verschiedensten Krankheiten,  Muskelverspannungen und schließlich zu Gelenkerkrankungen führt.Und ein ganz wichtiger Aspekt: Sie verhindern, dass das Pferd denkt. Wenn ein Pferd Angst hat, setzt das Denken aus und nur noch Instinkte zwingen zum handeln.  
Andererseits vertrat ich aber auch die Meinung, dass ein gewisses Maß an Gehorsam unbedingt vorhanden sein muss, da es sonst in kritischen Situationen für Pferd und Mensch gefährlich werden könnte.

Ich verstehe deshalb die unterschiedlichen Auffassungen von Erziehung mit / ohne „Dominanz“ sehr gut, denn die gleiche Diskussion führte ich oft mit mir selber.

In den letzten Jahren habe ich mich dann aber sehr ausgiebig auch mit dem Mentaltraining auseinander gesetzt und dabei viel darüber nachgedacht, warum ich eigentlich wirklich Gehorsam von meinem Pferd verlange.

Was ist eigentlich eine kritische Situation?
Eine Situation die ich als kritisch einschätze ist eine Situation die mir Angst macht. Und vom Pferd erwarte ich ausgerechnet in den Situationen, die mir Angst machen, dass es mir gehorcht.....

Warum empfinde ich eine Situation als kritisch?
Weil andere Menschen sehen, dass ich mein Pferd nicht unter Kontrolle habe? Weil ich Autofahrer auf der Straße störe? Weil ich Angst um meinen eigenen Körper habe?
Ist es nicht eigentlivch so, dass die Situation nur kritisch wird, weil das Pferd unter Stress  aufhört zu denken, nur noch instinktiv handelt und deshalb unkontrollierbar wird!

Ich habe mir dann überlegt, dass eine Situation, die ich als kritisch empfinde, für das Pferd erst recht angsterregend sein muss und anstatt ihm dann Gehorsam abzuverlangen, sollte ich ihm doch lieber das Gefühl geben, das es von mir beschützt wird und sich bei mir sicher fühlen kann, dann wird er auch weiter denken und es entsteht nicht dieser Teufelskreis aus Stress, "Nicht mehr denken können"Unkontrollierbarkeit.

Hieraus ist unser PHYSIO-RIDING Anti-Scheutraining entstanden, dessen Grundhaltung ist:
“Beschütze Dein Pferd"


Bild: Der Mensch bedeutet dem Auto durch Handzeichen,Abstand zu halten und das Tempo zu verringern. 
Das Pferd kann sich sicher fühlen. Ein freundliches "Danke schön" an den Autofahrer sollte dabei selbstverständlich sein. (In unserem Buch "PHYSIO-RIDING mit Sabine Bruns" ist diese Methode näher beschrieben)


Zum Thema Clickertraining:
Lange Zeit habe ich das Clickertraining als nettes Spiel und schöne Beschäftigung für das Tier eingeordnet.
Um aber wirklich zu verstehen, was Clickertraining ist, muss man sich mit Verhaltensbiologie und dem Lernverhalten des Pferdes beschäftigen und dann wird schnell klar, dass es viel mehr ist, als eine Methode, dem Pferd das Ball spielen beizubringen.

Bereits nach einigen einfachen Clicker-Übungen habe ich sehr wichtigen Erfahrungen gemacht:  

Das Clickertraining öffnet eine Tür. Das Pferd lernt, dass es mit mir als Mensch intelligent kommunizieren kann und das meine Worte, Zeichen und Körpersprache  Bedeutungen haben und dass ich auch seine Zeichen und seine Körpersprache verstehe und wichtig finde. 

Das heißt, wenn ich mit einem Pferd Clickertraining übe, verändert sich auch unser gesamtes Miteinander wenn kein Clicker und kein Leckerli dabei ist.

Die Pferde kennen zuverlässig ihren Namen – viel besser als früher.
Wir haben dem Wort "Höflich" mit dem Clicker einen Sinn gegeben. Kein Pferd bettelt mehr um Leckerli.
Die Pferde lieben mich und achten mehr auf mich,denn sie wollen das ich Lust habe mit ihnen ein „Lernspiel“ zu spielen. Unser Zusammensein zeichnet sich durch sehr großen gegenseitigen Respekt aus.
Die Pferde haben Lust, sich anzustrengen und vor mir anzugeben, sie entwickeln erstaunliche Phantasie.

Seit dem ich in kritischen Situationen mein Pferd beschütze, werden wir beide immer ruhiger und selbstsicherer. Wenn mein Pferd Angst hat, sucht es meine Nähe und hört auf mein Kommando, weil es sicher weiß, dass es ihm damit gut geht.

Wenn ich heute meinem Pferd zu rufe „Halt! Hör auf!“ bleibt es sofort stehen und schaut mich an – nicht weil ich es dominiere, sondern weil es weiß, dass es sich damit in Sicherheit bringt.

Auch habe ich den Eindruck, dass die Pferde innerhalb der Gruppe ein immer harmonischeres Miteinander entwickeln. Mir stellt sich durch diese Beobachtungen bereits die höchst interessante Frage: Kann man Pferden soziales Verhalten beibringen?

Fazit:
Je mehr Freiwilligkeit ich dem Pferd zugestehe, desto mehr sucht es meine Nähe und will auf mich hören.

Für mich ist diese Erfahrung ein weiterer großer Schritt in meiner reiterlichen Entwicklung und es macht unglaublichen Spaß ihn weiter zu gehen und weiter zu entwickeln. Ich bin sehr froh, dass ich auch nach vielen, vielen Jahren im Umgang mit dem Pferd nie aufgehört habe, für neue Wege aufgeschlossen zu sein.


Mittwoch, 16. Januar 2013

Rangordnungskämpfe in der Pferdeherde



Wenn ich als PHYSIO-RIDING Coach und Tierphysiotherapeutin Reiter und Ihre Pferde besuche, ergeben sich oft Fragen zu den verschiedenen Ausbildungsmethoden.
Die Begriffe "Dominanz" und "Rangordnung" fallen dabei immer wieder, deshalb möchte ich hier einmal  einige Denkanstöße zu diesen Begriffen weiter geben.



Bei vielen Ausbildungsmethoden wird angegeben, dass die Lehrinhalte sich auf die natürliche Rangordnung und die damit verbundenen Rangordnungskämpfe innerhalb einer Pferdeherde beziehen.

Viele Reiter, deren Pferde in einem Offenstall leben finden es völlig normal, dass es täglich zu den Mahlzeiten zu Rangordnungskämpfen rund um die Heuraufe kommt und die schwächeren Mitglieder der Herde dann eben hinten an stehen und warten müssen, bis die „Bosse“ sie auch fressen lassen.

Wenn man Pferde vom Menschen unbeeinflusst – beispielsweise auf der grünen Wiese - beobachtet, sieht man höchst selten einen Rangordnungskampf, vielleicht mal ein „Geplenkel“, aber selten ernsthafte Auseinandersetzungen.
Richtig ernst wird es eigentlich nur, wenn 2 Hengste sich um rossige Stuten prügeln.

Wir alle sollten uns  bewusst machen, dass...

1.
...Rangordnungskämpfe um Futter nur in den vom Menschen vorgegebenen engen Räumen stattfinden.
Leben viele Pferde auf engem Raum und wird dann begrenzte Menge Futter gegeben, gibt es Streit in der Herde. Das ist NICHT natürlich. Auf der großen Weide oder dem natürlichen Lebensraum der Pferde, der Steppe,  ist so viel Futter so weit verteilt, dass es keinen Streit gibt.

Ich habe für meine 5 Pferde 18 kleine verteilte Futterplätze im Offenstall und Paddock und es gibt während der Fütterung vielleicht mal die drohende Mimik "bleib weg"  zu beobachten, ansonsten aber keinerlei Unruhe oder Streit. 

Pferde, die täglich Rangordnungskämpfe zu den Mahlzeiten ausfechten müssen, haben täglichen unnatürlichen Stress.

2.
…..ein ranghohes Tier in der Herde ist deshalb ranghoch weil es so selbstbewußt ist, das zu tun, was es für richtig befindet, ohne darauf zu achten, was die anderen wohl machen.
Rangniedrige Tiere folgen den ranghohen Tieren, weil sie weniger selbstbewußt sind und sich nicht trauen, selber zu entscheiden, was sie tun wollen, sie laufen deshalb den anderen hinterher.

Wichtig ist: Sie laufen dem ranghohen Tier absolut freiwillig hinterher!

3.
…. es gibt kein ranghohes Tier, dass von einem rangniedrigen Tier irgendwelche Dienste verlangt. Jedes rangniedrige Tier kann einfach gehen, wenn es mit dem ranghohen Tier nichts zu tun haben will.

Wenn also ein Pferdeausbilder sagt, er ist ein „ranghohes Tier“ weil er ein anderes Pferd durch „im Kreis scheuchen“ zum rangniedrigen Tier gemacht hat und dieser Pferdeausbilder dann der Meinung ist, deshalb vom Pferd verlangen zu können, dass es ihm gehorcht, ist das vollkommener Blödsinn.

"Ranghoch" bin ich in einer Herde, wenn die anderen sich dazu entschließen mir zu folgen, weil ich den Eindruck mache, dass sich das lohnen könnte.

Die Ausbildung eines Pferdes hat mit einer Rangordnung in der Herde herzlich wenig zu tun.
Leute, die das behaupten, erkennen nicht, dass sie einfach nur Druck ausüben und das Pferd sich diesem unterwirft, weil es nicht weiß, was es sonst machen soll. (Oder was würden Sie machen, wenn sie jemand bewaffnet mit einer Peitsche oder einem Seil auf engem begrenzten Raum im Kreis herum scheucht?)

Ein Pferd kann ich ausbilden, in dem ich Druck ausübe und bei gewünschter Reaktion des Pferdes den Druck nachlasse bzw. bei unerwünschter Reaktion bestrafe. Dieser Druck kann physisch oder psychisch augeübt werden. So wird das Pferd gehorchen aber den Menschen nicht unbedingt als seinen Freund und schon gar nicht als ranghohes Tier betrachten.

Ein Pferd kann ich aber auch ausbilden, indem ich mit dem intelligenten Wesen Pferd intelligent kommuniziere und sich eine echte freundschaftliche Beziehung entwickelt. Darauf baut beispielsweise das Clickertraining auf.

Gefährlich wird es für den Menschen sehr oft, wenn er einerseits das Pferd "erzieht" und "ranghoch" sein will, andererseits aber auch die Freundschaft des Pferdes sucht. Dann wird das unterdrückte Pferd die "Schwäche" erkennen und sich gegen den Menschen wehren was dann häufig zu sehr gefährlichen und für den Menschen höchst frustrierenden Momenten führt.


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Donnerstag, 29. November 2012

Wie viel Freiwilligkeit ist erwünscht?


Eine wichtige Diskussion mit Reitern ist oft das Maß an Gehorsam, das ein Reiter von seinem Pferd erwarten oder erzwingen muss oder will.


Einerseits möchte man, dass das Pferd fröhlich und munter selbstständig agiert, andererseits soll es aber bitte immer zuverlässig kontrollierbar sein.
Einerseits möchte ich mit der positiven Bestärkung arbeiten andererseits soll das Pferd aber nicht "nein" sagen dürfen.
Ich möchte nicht jeden Schritt "heraus treiben" müssen aber es soll bitte auch kein Schritt machen, den ich nicht möchte.

Oft beschweren sich Reiter, dass ihre Pferde so triebig sind und nichts von alleine machen und wenn man den Reiter dann bittet, mal einige Runden am hingegebenen Zügel zu traben, hat der Mensch Angst, die Kontrolle über sein Pferd zu verlieren und traut sich nicht.

Unsere Pferde nehmen alles von uns an, was für sie plausibel ist und so ist oberste Priorität im Umgang mit dem Tier: Ich selber als Mensch muss zu mir selber und zu meinem Pferd ehrlich sein.

Mein Apell an alle Reiter: Beantwortet Euch selber ehrlich folgende Fragen:
1. Wie viel Vertrauen habe ich wirklich in mein Pferd?
2. Was ist mir wichtiger, wie ich mit meinem Pferd klar komme oder was die anderen denken?
3. Wie oft versuche ich dem Pferd etwas vorzuspielen, was nicht ehrlich aus meiner Seele kommt?

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Dienstag, 30. Oktober 2012

Gedanken zum 10 jährigen Bestehen des PHYSIO-RIDING®


Lernen geht nicht passiv sondern aktiv

 

Da sind 2 Schüler in der Schule. Beide wollen Englisch-Vokabeln lernen.
Der eine hört sich jeden Tag eine halbe Stunde lang ein Tonband an, in dem ihm die Vokabeln samt Übersetzung vorgelesen werden.
Der andere schreibt sich Karteikarten mit deren Hilfe er jeden Tag eine halbe Stunde übt und hat einen englisch sprechenden Email-Freund, mit dem er sich regelmäßig schreibt.
Wer lernt schneller?

Richtig, keine Frage, keine Diskussion: der 2. Schüler lernt aktiv und wendet das gelernte Wissen an und wird deshalb auch sehr viel schneller erfolgreich und gut Englisch sprechen können.

Beim Reiten ist es genauso.
Wer einfach nur Unterricht reitet und die Anweisungen des Lehrers befolgt ohne selber darüber nachzudenken, macht es sich zu leicht und wird nie gut reiten lernen.

Nur wer sich um Theoriewissen bemüht, wer immer wieder fragt „Warum?“, wer also immer wieder aktiv konzentriert denkt, wird reiten lernen.
Nur wer in seinen Körper hinein fühlt und an seinem Körper aktiv arbeitet, wird gut reiten lernen.
Nur wer sein Pferd beobachtet und über die Reaktionen seines Pferdes aktiv nachdenkt, wird sein Pferd verstehen lernen.

Das PHYSIO-RIDING feiert 2013 den 10 jährigen Geburtstag. Die Zeit ist rasend schnell vergangen.

Als ich vor so vielen Jahren Erkenntnisse über das Verhalten des Pferdes unter dem Reiter basierend auf tierphysiotherapeutisches Fachwissen - das ja in Deutschland gerade erst am entstehen war - erkannte und in meinem ersten Buch erklärte, war das neu und ich dachte, die Reiterwelt würde sich darauf stürzen und diese Erkenntnisse nutzen.

Ich musste lernen, dass die meisten Reiter nicht daran interessiert sind, ihren Geist anzustrengen um gutes Reiten zu lernen und mit ihrem Körper zu arbeiten, um sich auf dem Pferd auch verständlich ausdrücken zu können. Auch musste ich lernen, dass es Reiter und Reitlehrer gibt, die lieber ein Leben lang einen Fehler weiterhin täglich ausüben als einzugestehen, dass sie sich geirrt haben.

Aber ich habe auch eine  gute Erfahrung gemacht, die ich nicht mehr missen möchte:

Die Reiter, die ich bis heute im Rahmen des PHYSIO-RIDING kennen gelernt habe
 sind zwar nicht so viele, wie ich es mir am Anfang gedacht habe, 
aber es sind tolle Leute,
 deren Bekanntschaft mein Leben bereichert haben und jeden Tag wieder bereichern, es sind Leute, die denken, suchen und forschen und einen ehrlichen Weg gehen.

Vielen Dank an Euch Alle!

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Dienstag, 16. Oktober 2012

Checkliste einer Reitstunde


Checkliste einer Reitstunde
Dressur / Gymnastik

Beim PHYSIO-RIDING wundern sich häufig Leser unserer Bücher, dass so viel über die Arbeit vor dem Reiten (Bodenarbeit, tierphysiotherapeutische Übungen) geschrieben ist, sehr viel auch über den Sitz des Reiters, aber recht wenig über "das Reiten", also die Einwirkung des Reiters während des Reitens.
Ich möchte in diesem Blockeintrag versuchen, diesen Umstand zu erklären, indem ich eine  beispielhafte Trainingseinheit als Checkliste beschreibe, wie ich sie täglich ausführe.


Vor dem Reiten:
Während des Putzens und Sattels auf das Benehmen und die Mimik des Pferdes achten. Zeigt sich das Pferd zu irgendeinem Zeitpunkt bei Berührung oder Anlegen der Ausrüstung unwillig (Ohren anlegen, tänzeln, ausweichen) unbedingt beachten und nach dem Grund forschen!
Kein Pferd hat einfach nur „keine Lust heute“

Während der gesamten Reitstunde gilt:
Der Reiter soll so wenig wie möglich auf das Pferd einwirken und sich statt dessen darauf konzentrieren, mit im Gleichgewicht mit aufgerichtetem ruhigen Oberkörper das Pferd so wenig wie möglich zu stören.

Hilfengebung:
Die Gangart und einzelne Lektionen werden durch die vorher in der Bodenarbeit geübten Stimmenkommandos z.B.: "Schritt", "Trab", "Galopp","seit" (für seitwärts), "rück" (für rückwärts) und "Pst" (für anhalten) und durch winzige Drehung des Körpers für die Richtung der Bewegung (rechts rum, links rum) und die Stellung in den Seitengängen kommuniziert. Die Aufmunterung zu mehr Schwung ist "schnalzen", für weniger Tempo "ho"

Phase 1: Reiten am hingegebenen Zügel, der Reiter ist passiv
Mit Phase 2 nur beginnen wenn:
1a) Das Pferd munter und fleißig vorwärts schreitet ohne das der Reiter treibende Hilfen gibt
1b) Das Pferd sich gelassen aber interessiert die Umgebung ansieht
1c) Das Pferd gleichmäßig in langen Atemzügen atmet

Phase 2: Die Zügel aufnehmen und mit Biegearbeit auf großen Linien (Zirkel, Schlangenlinien, große Achten)beginnen
Mit Phase 3 nur beginnen, wenn:
2a) Das Pferd während des Zügelaufnehmens nicht langsamer wird sondern weiter fleißig schreitet
2b) Das Pferd sich nicht gegen das Zügelaufnehmen wehrt
2c) Das Sitzgefühl des Reiters weich und harmonisch bleibt
2d) sich das Pferd beim Zügel aus der Hand kauen lassen gerne nach vorne dehnt ohne den Schrittablauf zu verändern.

Phase 3: Biegearbeit vertiefen und mit Seitengängen kombinieren
Mit Phase 4 nur beginnen, wenn:
3a) Das Pferd auch in den Biegephasen weiter fleißig und taktrein vorwärts schreitet
3b) Das Sitzgefühl harmonisch weich bleibt
3c) der Reiter während der Schulterherein -Tritte das Gefühl hat, weich zur Pferdemitte hin „ins Pferd gezogen“ zu werden.
3d) sich das Pferd beim Zügel aus der Hand kauen lassen gerne nach vorne dehnt ohne den Schrittablauf zu verändern.

Phase 4: Antraben bei leichter Anlehnung auf großen gebogenen Linien mit weichen Übergängen zum Schritt
Mit Phase 5 nur  beginnen, wenn:
4a) das Pferd gerne und fleißig trabt ohne zu eilen oder ständig getrieben werden zu müssen
4b) das Pferd schnaubt und sich zufrieden nach vorne dehnt
4c) das Pferd leise Stimmenkommandos zum durchparieren und antraben annimmt und reagiert ohne das der Reiter aktiv mit Zügeln oder Schenkeln arbeitet.
4d) sich das Pferd beim Zügel aus der Hand kauen lassen gerne nach vorne dehnt ohne den Schrittablauf zu verändern.

Phase 5: Übergänge zwischen Schritt, Halt, Trab mit Seitengängen und Rückwärts
Zu erreichende Ziele:
5a) ich möchte auch jetzt immer zuverlässig von meinem Pferd fleißig nach vorne geschoben werden. Verändert sich dieses Gefühl, bin ich nicht mehr auf dem „gesunden Weg“
5b) Das Pferd soll aufgrund meiner Stimmenkommandos selbstständig weich und gerne die Übergänge ausführen ( Schritt – Trab – Schritt – Halt – Schritt – Trab, später auch mal Schritt – Halt – Trab) und sich dabei selbstständig und gerne mehr versammeln
5c) Das Pferd soll sich jederzeit beim Zügel aus der Hand kauen lassen gerne nach vorwärts
abwärts dehnen ohne den Schrittablauf zu verändern und nach einer Pause gerne wieder die Anlehnung annehmen
5d) Bei Übergängen in angedeuteter Schulterherein – Stellung soll das Pferd deutlich aus der
Schulter heraus wachsen und versammelt „tanzen“. Ich möchte den Eindruck haben, dass mein
Pferd Spaß daran hat, anzugeben.


Analyse
Wenn eine der in den einzelnen Phasen genannten Punkte nicht erreicht wird, muss der Reiter überprüfen, ob er das Pferd durch seinen Sitz gestört hat.

Trifft das nicht zu, kann er über deutliche Kommandos und viel Lob (Leckerli) die einzelnen Phasen etwas intensiver üben bis die Vorgaben für das Erarbeiten der nächst höheren Phase erreicht werden.

Damit eine Reitstunde so ablaufen kann, ist es notwendig die im PHYSIO-RIDING beschriebene Bodenarbeit intensiv zu betreiben!

Manchmal sagen Reiter zu mir: "Na ja, so ist das natürlich einfach, wenn das Pferd alles von selber macht....."
Meine Antwort: Jedes Pferd kann am Boden lernen, Lektionen selbstständig auszuführen und dann wird Reiten für jeden Reiter einfach.

In keiner Reitlehre steht geschrieben, dass Reiten nur dann gut ist, wenn es schwer für den Reiter ist, oder?

Das häufigste Problem während des Reitens ist das der Reiter seinen eigenen Körper nicht genügend diszipliniert bewegen kann. 

Als ich dieses Problem erkannt habe, habe ich nach Wegen gesucht, die Reitern zu mehr Körperstabilität und Bewegungsdisziplin verhelfen und habe das Tai Chi und Qigong entdeckt.
Bitte besuchen Sie auch meinen Blog "Physio-riding & Tai chi"


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